Nächtliche Ruhestörung

Idylle mit Nebenwirkungen ...


ergoBotschafter-nächtliche-Ruhestörung-fotos-ergoTRAURINGE

Zwischen Vorsicht und Hilfsbereitschaft schwanken unsere ergoBotschafter in dem Abenteuer, von dem sie euch hier erzählen …


Ein ruhiger Platz

Je nach Land und Möglichkeiten suchen wir uns zum Schlafen oft schöne oder zumindest ruhige Plätze in der Natur. Campingplätze steuern wir, dank großer Wasser- und Abwassertanks sowie unseren Solarzellen, nur selten an. Oft verbringen wir die Nacht so direkt an einem See oder am Meer. Je abgelegener ein Platz, desto schöner ist er meistens. Oft stehen wir ganz alleine in der Pampa und es kommt tagelang keiner vorbei.
An einem Nachmittag in Lettland war eigentlich alles wie immer. Wir biegen ab von der großen Straße, fahren raus aus dem Ort und biegen noch zwei, dreimal immer auf die kleinere Straße ab. Die letzten Kilometer in Richtung eines Sees fahren wir dann auf schmalem, unbefestigtem Weg quer durch einen Wald. Der Boden links und rechts vom Weg ist sumpfig und ich muss aufpassen, nicht von der Straße abzukommen. Direkt am See gibt es einen kleinen Parkplatz mit Feuerstelle und Vogelbeobachtungsturm. Es liegen keine Getränkeflaschen herum, die auf nächtliche Partys hinweisen und bis auf zwei Angler ist der Platz sehr ruhig. Den Abend verbringen wir am Wasser und als die Sonne untergegangen ist, ziehen wir uns ins Auto zurück.

ergoBotschafter-nächtliche-Ruhestörung-Idylle-ergoTRAURINGE

 

Das Ende der Ruhe

Als wir schon im Bett liegen und schlafen wollen, hören wir ein Auto das mit hoher Geschwindigkeit auf den Parkplatz fährt, die Musik bis zum Anschlag aufdreht und einige wohl stark betrunkene Jugendliche aussteigen. Mit einem Blick aus dem Fenster verschaffe ich mir einen Überblick von den insgesamt 5 jungen Erwachsenen, drei Männern und zwei Frauen, alle mit Bierflasche in der Hand, und lege mich wieder ins Bett. Das ist zwar nervig und an Schlafen ist nicht zu denken, aber so weit erst einmal nicht beunruhigend für uns.
Als dann allerdings unser Fahrzeug zu wackeln beginnt und offensichtlich eine oder mehrere Personen am Fahrerhaus hochklettern, steh ich wieder auf und greife zu einer hellen Taschenlampe. Durch Hinausleuchten und einige Schreie aus dem Fenster mache ich klar, dass sich jemand im Fahrzeug befindet und wir etwas gegen das Verhalten haben. Der LKW gibt uns Schutz und schon alleine durch die Höhe und das helle Licht meiner Taschenlampe scheine ich die Lage aus dem Fenster von oben heraus im Griff zu haben. Der nächtliche Besuch zieht sich zu seinem Auto zurück und feiert weiter.
Keine fünf Minuten später klopft es bei uns an der Tür und wieder durch das Fenster, ohne das Fahrzeug zu verlassen, mache ich mir ein Bild von der Lage. Total betrunken, aber freundlich erklären mir zwei der Männer, dass sie in 10 Minuten weiterfahren, dann wieder weg sind und wir danach unsere Ruhe haben. Sie entschuldigen sich mehrfach für die Störung und sind dann wieder weg.

Ein ungutes Gefühl

Die Nacht fängt ja gut an, denke ich mir und bin froh als ich das Fahrzeug mit durchdrehenden Reifen in den Wald wegfahren höre. So richtig besorgt sind wir beide nicht, da so einfach keiner zu uns ins Fahrzeug hereinkommen kann. Was draußen aber am Fahrzeug passiert, haben wir von drinnen aber leider auch nicht im Griff.
Während ich noch überlege, wer von den fünf eigentlich noch in Lage ist Auto zu fahren, klopft es erneut bei uns. Ein Teil der Ruhestörer ist zu Fuß und ohne Fahrzeug zurückgekommen. So langsam habe ich das Gefühl, dass wir hier keine ruhige Nacht mehr verbringen können und sich die Besucher nicht wirklich zum Gehen bewegen lassen. Im Grunde haben wir zwei Möglichkeiten: Wir sitzen das hier aus oder wir fahren weiter und suchen uns in der Nacht einen neuen Platz.
Durchs Fenster versuchen die beiden jungen Männer mir zu erklären, dass sie ein Problem haben. Auf schlechtem Englisch fallen immer wieder die Worte „car“ und „problem“. Einer der beiden hält die Hände vor den Körper als ob er ein Lenkrad festhält und rennt in den nächsten Straßengraben. So langsam wird mir klar, dass wohl mit ihrem Auto etwas nicht stimmt und wir ihnen helfen sollen. Zunächst etwas skeptisch, was ich jetzt mitten in der Nacht helfen soll und ob es nicht einfach nur eine Falle ist, um mich aus dem Fahrzeug zu locken, gebe ich dann doch nach und willige ein, mir das Ganze mal anzuschauen.
Zwar sind wir nur zu zweit und nicht zu fünft, aber angesichts des betrunkenen Zustandes hab ich das Gefühl, dass wir immer noch mehr auf die Reihe bringen als die anderen fünf zusammen.

ergoBotschafter-nächtliche-Ruhestörung-aus-dem-Dreck-ergoTRAURINGE

Aus der Patsche

Annette weiß sofort, was zu tun ist. Während ich mich, bewaffnet mit einer hellen Taschenlampe um die Übersicht zu behalten, nach draußen in die Nacht wage, wartet sie im Fahrzeug, mit Handy und Notrufnummer in der Hand. Bisher haben die Besucher sie noch nicht zur Kenntnis genommen und wissen nicht, dass ich nicht alleine im Fahrzeug war.
Einige hundert Meter weiter im Wald stehen die restlichen Personen der Gruppe um ihr Auto herum. Beim Driften auf den engen Waldwegen sind sie von der Fahrbahn abgekommen und das Fahrzeug steckt mit der Hinterachse im Sumpf. Noch immer traue ich der Sache nicht ganz, als ich das Fahrzeug aber aus der Nähe sehe, wird mir klar, dass sie keine Chance haben, da alleine wieder heraus zu kommen.
Da wir ja alles dabeihaben, um ein Fahrzeug aus dem Dreck zu ziehen hole ich unseren LKW, einen Bergegurt und Schäkel und in wenigen Sekunden wird das Unfallfahrzeug aus dem Dreck gezogen. Zum Dankeschön bekommen wir von der Gruppe eine Flasche Wodka geschenkt und nach einigen Fotos vor uns auf unserem Fahrzeug durften wir dann zurück auf unseren Parkplatz. Schon weit nach Mitternacht haben wir dann endlich unsere Ruhe und ein Abenteuer mehr im Gepäck.

Bei Sachen, die mir zunächst komisch vorkommen, bin ich erst einmal sehr vorsichtig und misstrauisch. Im Nachhinein war es völlig harmlos und wir konnten anderen aus der Patsche helfen. Bestimmt sind wir auch mal froh, wenn uns jemand aus einer blöden Sache heraushilft.
In solchen Situationen ist es gut, sich auf seinen Partner verlassen zu können. Annette hat mir vertraut, dass ich die Situation in den Griff bekomme und sich im Hintergrund gehalten. Wäre es für mich gefährlich geworden, wäre sie der Joker gewesen und hätte Hilfe organisiert.

 

Benedikt

Beitrag teilen

Vorheriger BeitragWo findet ihr eure Trauringe?
Nächster BeitragMacken, Kratzer und Beulen

Schreibe einen Kommentar


1 × zwei =

Ähnliche Beiträge