Illegal auf Polens Straßen …

... oder auch: Mautbox Nummer 4


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Vom Süden über Deutschland, Tschechien und Polen geht es für unsere reisenden ergoBotschafter nun in den Norden. Immer mit dabei die ergoTRAURINGE – aber auch so manche technische, sprachliche und bürokratische Hürde …


Zwischenstopp

Um vom südlichen Teil unserer Reise in den nördlichen zu gelangen, haben wir uns dazu entschieden, Deutschland zu kreuzen und auch daheim bei unseren Familien vorbeizuschauen. Um für unsere geplante Ostseeumrundung genügend Zeit zu haben, entschieden wir uns, schon im März vom warmen Süden ins immer noch kalte und winterliche Deutschland zu fahren. Mit jedem Kilometer weiter Richtung Norden wurde das Wetter kälter und der Regen nahm zu.
So richtig eilig hatten wir es also nicht, weiter in den Norden zu kommen und einige Besorgungen, Besuche bei Freunden und kleine Reparaturen an unserem rollenden Zuhause standen auch noch auf der Liste.

 

Richtung Ostsee

Ende März schaffen wir es dann aber doch, dass wir Deutschland wieder verlassen. Durch Tschechien, wo wir uns die Hauptstadt Prag und die Adersbacher Felsenstadt anschauen, geht es weiter Richtung Norden, um endlich wieder ans Meer zu kommen.
Wir wissen genau, dass wir für unseren LKW, schwerer als 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, in Polen eine elektronische Mautbox brauchen. Diese wird neben die Boxen aus Österreich, Slowenien und Tschechien an die Windschutzscheibe geklebt und bucht automatisch für jeden gefahrenen Kilometer Geld ab.
In den Ländern davor hat das auch immer ganz gut funktioniert. An der ersten großen Tankstelle kauft man die Box.
Seit einigen Tagen sind wir bereits in Polen. Von einem schönen Übernachtungsplatz am See fahren wir über kleine, schlechte und zum Teil unbefestigte Straßen zum nächsten Platz. Immer öfter kommt die Sonne heraus und gemeinsam mit einigen Polen, die sich mitten in der Natur am See zum Angeln treffen und sich mit Wohnwagen und Grill häuslich einrichten, verbringen wir einige gemütliche Tage.

 

Plötzlich illegal

Die nächste Fahrt beginnt wie immer: im Handy schauen, wo ein schöner Platz in der Natur sein könnte, Autobahn und Mautstraßen meiden, damit wir auch was vom Land sehen und nicht nur durchrasen, und los.
Doch seit einigen Kilometern ist irgendetwas anders. Auf einer breiten, zum Teil zweispurigen Straße machen wir ungewohnt schnell Strecke und ständig hängen über der Straße Kameras und elektronische Geräte. Jetzt fällt uns auch das kleine Schild auf, das uns wohl darauf hinweisen soll, dass dies hier eine mautpflichtige Straße ist.
Auf einmal merken wir, dass wir – mitten in Polen – immer noch keine Mautbox haben. Irgendwie sind wir die letzten Tage an keiner Tank- oder Verkaufsstelle vorbeigekommen und seit der Grenze sowieso nur auf kleinen Nebenstraßen unterwegs.
Jetzt sind wir also doch auf eine mautpflichtige Straße gekommen und das, obwohl wir noch gar keine Box gekauft haben. Wie hoch die Strafen sind, wissen wir nicht, entscheiden uns aber trotzdem, so schnell wie möglich Maut zu zahlen.

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Vergebliche Versuche

Also an der ersten Tankstelle raus und fragen. Der Tankwärter spricht kein Wort Englisch oder Deutsch, wir Sprechen kein Polnisch. Auf meinem Handy übersetzte ich Maut und zeige ihm das „ViaBox“-Symbol, so heißt hier das Mautsystem. Aber auch damit will oder kann er nichts anfangen. Immerhin schickt er mich mit einer Handbewegung weiter. Ob ich einfach fahren soll oder ob er die nächste Tankstelle in wenigen Kilometern meint, ist mir nicht ganz klar.
Also an der nächsten Tankstelle wieder raus. Inzwischen sind wir schon einige Kilometer auf einer Straße unterwegs, auf der wir gar nicht sein dürften. Wieder versuche ich der Dame an der Tankstelle klarzumachen, dass wir noch keine Mautbox haben, hier die erste Möglichkeit ist, eine zu kaufen und wir davor nur auf kleinen Nebenstraßen unterwegs waren.
Ich erkläre, dass wir gerne eine Box kaufen würden und die Maut für die letzten Kilometer nachzahlen wollen. Sie versteht mich nicht, sagt etwas auf Polnisch zu mir und wendet sich an den nächsten Kunden. Das erste Mal auf unserer Reise habe ich das Gefühl, mich wirklich nicht verständlich machen zu können. Etwas enttäuscht, dass kein Interesse besteht mich zu verstehen, gehe ich wieder aus der Tankstelle.

 

Sprachschwierigkeiten und Bürokratie

Ich versuche mein Glück beim nächsten Kunden, der in die Tankstelle zum Bezahlen geht, und frage, ob er Englisch kann. „Nur ein kleines wenig, besser Deutsch.“, ist seine Antwort. „Noch besser“, freue ich mich und erkläre ihm mein Problem. Er übersetzt und nun weiß auch Marlena, die Dame an der Kasse, um was es geht, schaut mich aber immer noch so desinteressiert an wie zuvor.
Also nochmal übersetzen lassen, ich würde gerne eine Mautbox für unser Wohnmobil kaufen und die Maut der letzten 20 km nachzahlen. Box kann ich kaufen, Nachzahlen geht nicht, so die kurze Antwort. „OK, gut dann machen wir das so.“ Ich lege Ausweis, Fahrzeugschein und Kreditkarte auf den Tresen.
Mit den Worten „nix gut, aber die Box können Sie trotzdem kaufen“ fängt Marlena doch an, ihren deutschen Wortschatz zu nutzen und das Formular auszufüllen. Und mit ihrem eigentlich ganz guten Deutsch und meinem Wissen, welche Angaben normal in das Formular müssen, gelingt es uns, nach 10 Unterschriften und 5 Seiten Vertrag, die Mautbox zu kaufen.
Zurück auf der Straße piepst es nun an jeder Mautbrücke zur Bestätigung, dass Geld abgezogen wird, und wir hoffen einfach, dass es okay war, erst an der ersten Möglichkeit auf der Mautstraße die Box zu kaufen.

 

Technische Sorgen und hilfsbereite Menschen

Eine Sorge weniger, doch es warten schon neue Aufgaben. 20 000 km mehr haben wir seit dem Beginn der Reise auf dem Tacho und so langsam kennen wir jedes Geräusch unseres Fahrzeugs. Außer eben dieses eine Klappern, das seit 2 Tagen meine Aufmerksamkeit hat. Abends liege ich daher unter dem Auto und suche die Ursache, checke alle Getriebe- und Achsöle, ziehe Schrauben nach und befestige alle Kabel und Leitungen.
Ein Geländewagen hält neben uns an und der Fahrer fragt, ob wir Hilfe brauchen, wo wir herkommen und was wir machen. Er möchte ein Foto für seinen Sohn machen, der auch einen Geländewagen fährt. Statt Foto wird der Sohn und sein Freund direkt per Video-Liveschaltung zu mir unters Auto gereicht, um „Hallo“ zu sagen.
Obwohl wir kein polnisch können und er fast kein Englisch, verstehen wir uns super und unterhalten uns lange. Ich fühle mich willkommen in einem für mich fremden Land und habe die Begegnungen an den Tankstellen schon fast wieder vergessen. Der Sohn will später noch auf ein Bier vorbeikommen. Ob er wirklich noch vorbeikommt diese Nacht, weiß ich noch nicht.

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Es ist unglaublich schön, wie viele tolle und hilfsbereite Menschen wir unterwegs treffen. Auch wenn ich oft nicht viel über die Leute weiß, denke ich doch immer wieder an diese Begegnungen zurück.

 

Benedikt

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