Rechte oder linke Hand?

Eine Frage der Perspektive...


Da unsere ergonomischen Trauringe passgenau auf die Finger gefertigt werden, ist meine erste Frage an das Paar:
Möchten Sie Ihre Ringe rechts oder links tragen?

Dann schießt mit entweder direkt eine konkrete Antwort entgegen und das Paar sagt mir, warum es für Sie total klar ist, welche für Sie die „richtige Hand“ ist oder die beiden schauen sich und auch mich mit großen Fragezeichen an und beginnen zu überlegen. Eine weitere interessante Situation entsteht, wenn für den einen Partner die Sache ganz klar ist und der andere neugierig hinterfragt, warum das so sein muss.

An dieser Stelle muss ich einfach erwähnen, dass solche Situationen jedes mal total spannend für mich sind. Ich lerne immer wieder neue interessante Gedankengänge bzw. Glaubensansätze kennen.

Interessanterweise ist Deutschland mit eines der wenigen Länder, wo der Trauring traditionell am Ringfinger der rechten Hand getragen wird. Wir fragen uns, warum ist das eigentlich so? Wo liegt der Ursprung dieser langen Tradition?

Also habe ich mich auf die Recherche begeben, um die Wahrheit raus zu finden. Eine These soll sein, dass die Tradition aus dem Mittelalter stammt. Damals symbolisierte die rechte Hand die gute und die linke die „dreckige Hand“. Auch in manchen östlichen Ländern sieht man heute noch Menschen mit der linken Hand unterm Tisch essen. Ich finde eine weitere Begründung, die in diese Richtung geht: In der Bibel heißt es, das Gute gehe von der rechten Seite aus. Woanders heißt es aber wieder, diese Tradition kommt aus der Zeit Martin Luthers. Die Protestanten haben Ihren Ehering auf der rechten Seite getragen, als Zeichen des Protests. Denn es war wohl zu dieser Zeit üblich den Trauring auf der linken Seite zu tragen. Ich grabe also noch etwas tiefer und stoße auf die Ägypter. Dort wurden Eheringe als Symbol der Unendlichkeit und Beständigkeit getragen – und zwar am linken Ringfinder. Dies soll aus dem Glauben an eine Liebesader – der Vena Amoris – rühren, die vom Herzen zum linken Ringfinger führt. Das erinnert mich an eine Aussage, die ich von einigen meiner Paare höre: „Links, an der Seite des Herzens möchten wir unsere Trauringe tragen.“

Dies alles ist nur ein Bruchteil, der vielen interessanten Theorien, die ich bei meiner Recherche gefunden habe. Aber echte Nachweise habe ich nicht wirklich entdeckt.

Für mich und für viele meiner Paare gibt es neben den traditionellen und emotionalen Gründen noch einen ganz anderen Aspekt: die Funktionalität.
Die linke Hand empfinden einige Rechtshänder als praktischer. Die rechte Hand benutzen Sie beim Arbeiten häufiger, mit Rechts gibt man sich die Hand, usw. Fakt ist auch, der Ring leidet links etwas weniger, da die Linke, oft die passivere Hand ist.
Ich habe mir auch angewöhnt, die Ringfinger beider Hände etwas genauer anzuschauen. Es ist manchmal so, dass einer der beiden Ringfinger besser zum Ringtragen geeignet ist. Das kann beispielsweise ein einseitiger stark ausgeprägter Fingerknöchel sein oder ein alter Schulunfall, der seine Spuren hinterlassen hat.

Mein Fazit und Tipp an dieser Stelle: Es gibt einfach keine Norm. Seid offen. Tragt die Trauringe dort, wo es sich für Euch gut anfühlt, wo es für Euch richtig ist. Mit welcher Begründung auch immer.

Und was tun, wenn Ihr Euch nicht einigt werdet und jeder mit guten Gründen auf „seine“ Seite besteht?
Dann macht das doch einfach.
Hierzu eine schöne Begebenheit zum Schluss. Bei einem Trauringpaar Anfang des Jahres war das so. Sie war erst überhaupt nicht glücklich mit der Idee, dass Sie und Ihr Zukünftiger den Trauring an verschiedenen Händen tragen. Beide hatten aber Ihre Gründe, warum die jeweilige Seite für Sie genau die richtige ist. Und daran war nicht zu rütteln. Da sagte er plötzlich mit einem sanften Lächeln: „Schatz, schau mal“, und nahm mit seiner linken Hand Ihre rechte, „so halten wir uns doch immer an den Händen, wenn wir spazieren gehen.“ Sie schaute Ihn an, lächelte und sagte: „ Ja, so sind unsere Hände durch die sich berührenden Trauringe miteinander verbunden.

Ach, Liebe kann so schön sein…
Maike

Fotos: Niklas Coen, dreamcatcher-photography

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